Vereinsgeschichte

Interview mit Claus Gutwillinger am 5.6.2017 

  • Der Schützenverein Besigheim – Ausgangspunkt der Vereinsgründung

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    Ab 1981 immer zu Pfingsten wurden vom Schützenverein Besigheim drei Zeltlager abgehalten, die so genannten Pfingstlager. Zwei davon fanden im Schützenhaus Besigheim statt, eines in Albstadt- Ebingen, wo gezeltet wurde.
    Als 1984 ein viertes Lager abgehalten werden sollte, lehnte der Schützenverein allerdings die Materialstellung für das Zeltlager ab.
    Als man sich nicht einigen konnte, wurde beschlossen, kein weiteres Lager stattfinden zu lassen.

 

Der Schützenverein bestand zu diesem Zeitpunkt aus vielen Schützen, die Reservisten waren und im Schützenhaus ihren Treffpunkt hatten. Ich, Claus, war nie Schütze, aber aktiver Soldat und habe die Reservisten gefördert.

 

Bei einem Reservisten-Abend wurden nunmehr ich und Jürgen Klooz (Vorstand der Reservisten) von Günther Seibert (für Jugendarbeit bei den Schützen zuständig und Mitglied bei den Reservisten) angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, einen Verein zu gründen. Hintergrund war, dass über den Schützenverein bereits 16 Jugendliche für ein Pfingstlager angemeldet waren und man die Teilnehmer nicht mit einer Absage des Lagers enttäuschen wollte.

Spontan sagten wir zu, wobei insgesamt 7 Mitglieder an der Gründung beteiligt waren: Günther Seibert, Jürgen Klooz, Klaus Vieten, Michael Joos (Bock Joos genannt), Rainer Spahlinger (Hugo), Birgit Hammer und ich. Insgesamt 3 Schützen und 4 Reservisten. Ich erhielt die Anfrage, das Material über die Bundeswehr zu beziehen, was wir dann auch getan haben.

Trägerverein Pfingstfreizeit e.V.
(TVP-Besigheim seit 1984)

Randinformation:

Die Gründungsversammlung fand am 22. Mai 1984 statt. Die erste Satzung wurde beschlossen und der Vorstand gewählt.

1. Vorsitzender:   Günther Seibert
2. Vorsitzender:   Claus Gutwillinger
Kassierer:  Luise Hammer
Schriftführer:  Birgit Hammer
Kassenprüfer:  Rainer Spahlinger, Michael Joos

Bestätigung vom Amtsgericht über Eintrag Vereinsregister 9. August 1984.

  • Die Zelte und Boote

In den ersten Jahren war das Lager sehr primitiv. Das Material waren Leihgaben aus mehreren Kasernen, die wir am Freitag vor Zeltlagerbeginn abgefahren hatten. Mit zwei Hängern wurde alles ins Lager zum Vorkommando transportiert.
Parallel wurde meine Verbindung zu der amerikanischen Armee in Böblingen genutzt. Das dort geliehene erste „GP-Medium“ (zweitgrößter US-Zelttyp) war zunächst unser Aufenthalts-, später dann unser Küchenzelt. Als Toilette diente ein Herzhäuserl inkl. Donnerbalken und Grube.

So wurde das Material die ersten Jahre beschafft. Später kamen einige Zelte aus dem Jugoslawienkrieg hinzu, die die US-Armee nach Kriegsende übrig hatte. Mit Bill und vier weiteren Vereinsmitgliedern wurden in Ludwigsburg die Zelte, die versteigert werden sollten, zusammen besichtigt und ersteigert. 300 Mark, ohne Gestänge. Bill konnte uns Zugang zu zahlreichen Gestängen verschaffen, die Schlauchboote wurden über Vieten organisiert. Diese waren bei der Bundeswehr ausgemustert worden und hätten eigentlich in Streifen geschnitten werden müssen, um sie  unbrauchbar zu machen. Klar doch, das waren sie auch…zumindest offiziell.
Aus Nagold wiederum kamen Schwimmwesten und Paddeln, die zunächst jährlich ausgeliehen wurden, später dann als Dauerleihgabe zur Verfügung standen. Wir waren ausgerüstet.

  • Finanzierung

Finanziert wurde das Lager zu Beginn über eine Teilnehmergebühr und unsere Beiträge.
In den ersten Jahren bekamen wir zudem Zuschüsse von der Stadt, pro Kind ungefähr 15 Mark. Dann jedoch monierte die Stadt, dass unser Jahresbeitrag zu gering sei, man könne uns nicht mehr unterstützen. Als wir den Jahresbeitrag erhöhten, beteiligte sich die Stadt wieder. Später wurde die Unterstützung, wie auch bei anderen Vereinen, gestrichen.
Einnahmequellen sind daher neben Spenden nunmehr Winzerfest und Ostermarkt, wobei alle Einnahmen in unsere Ausstattung fließen. Auf diesem Wege finanzieren wir Investitionen in neue Zelte oder bspw. aktuell den Küchencontainer.

  • Lagerung

Mittlerweile verfügten wir über so viel Material, dass die Lagerung nicht ganz einfach zu organisieren war. Wir musste alles auf verschiedene Lagerstätten verteilen, u.a. in Oberriexingen in einem Bauernhof, in Kirchheim und in Besigheim. Dies hatte vor Lagerbeginn immer eine Rundreise zur Folge, um das Material einzusammeln.

Als in Besigheim die Erweiterung der Wohnwagengaragen anstand, bewarben wir uns, erhielten eine Zusage und bauten auf städtischem Grund eine Garage. Diese finanzierte der Verein über einen Kredit. Da die Vereinseinnahmen zu gering waren, bürgte die Stadt für uns. Wir bekamen das Eckteil und auch eine seitliche Treppe für das obere Stockwerk genehmigt.
Die Garage gehört heute dem Verein, es gilt lediglich noch, die Pacht für das Grundstück zu bezahlen. Der Pachtvertrag wiederum ist über 100 Jahre abgeschlossen.
Da das Material aber stetig mehr wird, nutzen wir mittlerweile auch wieder Lagerstätten in Winden: Frieda hat uns ihren ehemaligen Kuhstall zur Verfügung gestellt.

  • Das Pfingstlager zu Gast an verschiedenen Plätzen

Berneck: Der Platz in Altensteig- Gaugenwald im Schwarzwald war Privatgelände eines Barons, wobei der Kontakt über den amerikanischen Soldat Bill hergestellt wurde. Die Gruppe bestand aus ca. 45 Teilnehmern, unsere gängige durchschnittliche Teilnehmeranzahl. Im Vorkommando hatten wir bestes Wetter, wir waren braun gebrannt. Die Kinder kamen – und mit ihnen ein Wetterumsturz. Wir wachten am Morgen auf und es war alles weiß. Aufgrund der Minustemperaturen mussten wir spontan reagieren: Es wurde zum einen ein extra Zelt aufgebaut, um Schlafsäcke zu trocknen. Mit Hilfe privater Verbindungen konnten zum anderen Stroh beschafft werden, mit welchem wir die Zelte auslegten, um sie trocken zu bekommen. Ein etwas anderes Lager!

Bad Urach: Zweimal waren wir in Hengen auf der Schwäbischen Alb bei Bad Urach (auf der Höhe nicht unten). Die Verbindung kam über Michael Joos. Da in der Nähe das Schützenhaus war, konnten wir dort die sanitären Einrichtungen nutzen. Zudem konnten wir dort mit den Teilnehmern auf der Schießbahn schießen, was damals noch gemacht wurde. Der Standort hatte nur einen Nachteil: Lehmboden.

Winden: Nach Winden sind wir über Günther Seibert, damals 1. Vorsitzender und Initiator des Vereins, gekommen. Dessen Frau ist mit Frida verwandt, Knut hatte des Öfteren in Winden auf dem Bauernhof seine Sommerferien verbracht.



Der Platz war in der Vergangenheit Schrottplatz/Mülldeponie und wir hatten in den vergangenen Jahren allerlei Töpfe und Müll aus dem Wald geholt, damit sich keiner verletzt. Vor dem Schrottplatz war ein Steinbruch, mit den dort gewonnenen Steinen war seinerseits das Schloss Rammersdorf gebaut worden, welches sich unweit vom Lager befindet.

 

 

Dieser Platz bietet alles, was die Natur zu bieten hat. Und idealerweise auch noch in Fußnähe: Wald, See, Kletterwand, Schloss. Dazu Sandboden, ideal zum Lagerbau – auch bei schlechtem Wetter. Durch die Verbindungen zum Förster konnten wir zudem aus dem Zobelholz (Waldstück in der Nähe) das Holz fürs Lagerfeuer holen. Wir entschieden uns, diesen Platz, das „Silberwäldle“, in Zukunft zu nutzen.

Seit etwa 15 Jahren ist das Areal nun Naturschutzgebiet (etwa seit 2002). Durch die örtlichen Beziehungen sind wir neben der Freiwilligen Feuerwehr Winden die einzigen, die dieses Gelände nutzen dürfen.

  • Einzug der Technik

Am Anfang hatten wir keinerlei Technik. Erst mit Tobias Ade (Tobs), der mit Bernd Hammer (Bruder von Birgit Hammer) befreundet war, ist immer mehr Technik ins Lager eingezogen. Tobias hat sich in den folgenden Jahren extrem engagiert, dafür hat er großen Dank verdient. Vor Tobias hatten wir weder Strom noch fließend Wasser. Wasser hatten wir zwar immer ins Lager gebracht, das war aber eher rudimentär und einfach zur Verfügung gestellt, u.a. im Herzhäusle. Bei weitem nicht so professionell, wie es heute ist. Der Ausbau hat sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt, wobei Tobias viel Mühe und Geld investiert hat, ohne es dem Verein je in Rechnung zu stellen. Er ist somit der größte Sponsor des Vereins.

  • Die Fahne

In den Anfangszeiten hatten wir gegen Gebühr die Besigheimer Stadtfahne ausgeliehen.
Später wurden die Kinder gefragt, wie sie sich ihre Fahne vorstellen, woraufhin in den Gruppenzeiten viele Zeichnungen erstellt wurden. Eine Zeichnung wurde ausgewählt, diejenige von Schorschs Tochter sollte es werden. Ihr Bild zeigte zwei Mäuse, die ein Zelt ins Lager tragen. Petra (meine Frau) und ich übertrugen den Entwurf auf ein Segeltuch – das war ungefähr vor 20 Jahren (Ende der 90er). Seither ist die Fahne mit zwei Mäusen, die für unsere Kinder und Teilnehmer stehen, unser Vereinsemblem.

Ende des Interviews.

Vielen Dank an Claus und Petra die uns die Vergangenheit erlebbar gemacht haben.
Außerdem ein Dank an Rebecca (kein Vereinsmitglied) für die Textfassung.


Wir schreiben das Jahr 2020

Claus ist seit 2 Jahren, nach längerer Pause, wieder 1. Vorsitzender des Vereins.
Eine Pandemie hält uns in Atem.
Es gab in den vielen Jahren alles vom Starkregen über eisigen Frost bis Schnee, das Pfingstlager ist noch nie abgebrochen worden oder musste abgesagt werden. Dieses Jahr hat es uns, wie viele andere auch, erwischt.

Der Kinder und Jugendschutz war im Verein schon immer ein großen Thema. Seit einigen Jahren halten wir Schulungen ab die vom Landesjugendring geführt werden. Die Gruppenleiter haben alle die Jugendleiterkarte (Julaica)erworben.